HIERONYMUS
Der Maler

Hieronymus Bosch

um 1450 – 1516 · ’s-Hertogenbosch

Ein Maler zwischen den Zeiten

Hieronymus Bosch hieß eigentlich Jheronimus van Aken. Er wurde um 1450 in ’s-Hertogenbosch geboren, einer reichen Handelsstadt im Herzogtum Brabant, heute in den Niederlanden. Nach ihr nannte er sich später.

Er stammte aus einer Malerfamilie, heiratete in eine wohlhabende Familie ein und war angesehenes Mitglied der Liebfrauenbruderschaft, einer einflussreichen religiösen Vereinigung seiner Stadt. Im August 1516 wurde er dort begraben. Über sein Leben ist nur wenig bekannt; fast alles, was wir über ihn wissen, erzählen seine Bilder.

Heute werden ihm nur rund zwei Dutzend Gemälde und etwa zwanzig Zeichnungen zugeschrieben. Bei manchen Werken ist bis heute umstritten, ob sie von Bosch selbst, seiner Werkstatt oder Nachfolgern stammen. Schon im 16. Jahrhundert wurden seine Bilder vielfach kopiert und nachgeahmt; der spanische König Philipp II. sammelte sie leidenschaftlich. Deshalb hängen viele Hauptwerke heute im Prado in Madrid.

Eine Bildsprache für das Unsichtbare

Bosch malte, was man nicht sehen kann: Sünde, Versuchung, Angst vor dem Jüngsten Gericht. Dafür erfand er eine eigene Bildsprache. Seine Dämonen sind Mischwesen aus Tier, Mensch und Gegenstand: Fische mit Beinen, Krüge mit Köpfen, Vögel auf Thronen. Musikinstrumente werden zu Folterwerkzeugen, Früchte zu Sinnbildern flüchtiger Lust.

Diese Bilder waren keine Fantasie zum Selbstzweck. Sie waren Predigten in Farbe: Wer sie betrachtete, sollte sich selbst darin erkennen. Bosch zeigt die Laster nicht irgendwo, sondern mitten unter den Menschen: im Wirtshaus, auf dem Marktplatz, im Kloster, auf dem Heuwagen, um den sich alle Stände streiten.

Cave, cave, Deus videt.
Hüte dich, hüte dich, Gott sieht. – Inschrift auf der „Tischplatte mit den sieben Todsünden“

Werke

Die Bilder hinter den Songs

Jeder Song des Albums greift Motive aus Boschs Werk auf. Die folgende Auswahl zeigt, welche Bilder hinter welchem Song stehen.

WerkOrtSong
Der Garten der LüstePrado, MadridIntro, Die süße Lüge, Der Tempel fällt, Requiem der Stummen
Kreuztragung Christi (Bosch zugeschrieben)Museum voor Schone Kunsten, GentIm Chor des Wahnsinns
Weltgerichts-TriptychonAkademie der bildenden Künste, WienDer Tempel fällt
Die sieben Todsünden und die vier letzten DingePrado, MadridDas Rad dreht sich
Das NarrenschiffLouvre, ParisRequiem der Stummen
Visionen des JenseitsGallerie dell’Accademia, VenedigDas Licht in mir
Die Versuchung des heiligen AntoniusMuseo del Prado, MadridOutro

Datierungen und Zuschreibungen folgen dem gängigen Forschungsstand und sind bei mehreren Werken umstritten. Boschs Gemälde sind gemeinfrei; alle Abbildungen stammen aus Wikimedia Commons.

Was Bosch so modern macht

Bosch gilt als einer der rätselhaftesten Maler der Kunstgeschichte. Die Surrealisten des 20. Jahrhunderts sahen in ihm einen Vorläufer; Comiczeichner, Filmemacher und Musiker zitieren ihn bis heute. Seine Bilder funktionieren wie ein Wimmelbild: Je länger man hinsieht, desto mehr entdeckt man.

Gerade deshalb eignet er sich als Spiegel für unsere Zeit. Die Verführung durch glänzende Oberflächen, die Menge, die mitbrüllt, die Gier, die nicht satt wird: Boschs Themen sind nicht verschwunden. Sie haben nur andere Gesichter.

Bosch sehen

Wer die Originale sehen will, findet die meisten Hauptwerke in Madrid (Prado), Lissabon, Wien, Venedig, Paris, Gent und Rotterdam (Museum Boijmans Van Beuningen). Im Jahr 2016 zeigte das Noordbrabants Museum in Boschs Heimatstadt zum 500. Todestag die bis dahin größte Bosch-Ausstellung.

Viele Museen bieten hochauflösende Digitalisate an, in denen man bis in kleinste Details zoomen kann. Für den Unterricht lohnt sich ein Blick in solche Detailansichten.