Requiem der Stummen
Gier · Gier, Maßlosigkeit, Betäubung
Der Song ist ab dem 30. Oktober 2026 hier zu hören.
Szenen aus dem Musikvideo (KI-generiert)
Sie fressen Gold
Sie fressen Glas
Auf Tellern von Knochen
In fettem Schlamm
Pakete am Morgen
Die Tonne quillt über
Wir kaufen die Zukunft und werfen sie rüber
Die Stimmen versinken im stummen Schlaf
Die Erde brennt weiter, ohne ein Wort, im Wind
Ohne ein Wort
Wir sind stumm
Kopfüber im Kelch
Ohne Rand, ohne Maß
Riesenbeeren aus Blut
Im feurigen Gras
Sie trinken das Meer
Wollen höher als Götter
Der Abgrund lacht aus dem Heiligenschein-Kranz
Die Stimmen versinken im stummen Schlaf
Die Erde brennt weiter, ohne ein Wort, im Wind
Ohne ein Wort
Wir sind stumm
Narrenschiff
Mast- und Schotbruch im Hirn
Horn an der Stirn
Sie beten zu Schatten
Zu Fratzen aus Holz
Ertrinken im blendenden Stolz
Die Hölle malt Augen
Sie glauben, sie wären zu Gast beim Gast
Die Stimmen versinken im stummen Schlaf
Die Erde brennt weiter, ohne ein Wort, im Wind
Ohne ein Wort
Wir sind stumm
Bunter Tand
Ein flirrendes Netz
Sie lauschen dem Lärm
Verachten das Gesetz
Das Display leuchtet
Die Augen starr und leer
Wir glotzen ins Feuer und merken nichts mehr
Die Stimmen versinken im stummen Schlaf
Die Erde brennt weiter, ohne ein Wort, im Wind
Ohne ein Wort
Wir sind stumm
Stumme Welten
Stumme Zeugen
Hinweis: Zwei kleine Textänderungen werden noch eingearbeitet.
Interpretation
Das Requiem ist der Song mit den meisten direkten Bosch-Zitaten. Die vier Strophen beschreiben vier Stufen der Gier: die Gier nach Dingen („Pakete am Morgen / Die Tonne quillt über / Wir kaufen die Zukunft und werfen sie rüber“), die Maßlosigkeit („Ohne Rand, ohne Maß“), die Hybris („Wollen höher als Götter“, „Ertrinken im blendenden Stolz“) und schließlich die digitale Betäubung („Das Display leuchtet / Die Augen starr und leer“).
Die Zeile „Sie glauben, sie wären zu Gast beim Gast“ beschreibt die Hybris der Maßlosen: Als Gast genießt man Freiheit und wird bedient wie ein König. „Gast beim Gast“ steigert das noch: doppelt bedient, ohne Verantwortung und ohne Rechnung. Dabei merken sie nicht, dass die Hölle sie längst im Blick hat („Die Hölle malt Augen“).
Der Refrain verbindet die Gier mit ihren Folgen und mit dem Leitmotiv des Albums, dem Schweigen: „Die Erde brennt weiter, ohne ein Wort […] Wir sind stumm.“ Das Requiem ist eine Totenmesse für eine Welt, die sich selbst verzehrt, während alle zusehen.
Bosch-Bezug
„Sie fressen Gold“: Auf der Höllentafel des „Gartens der Lüste“ sitzt ein vogelköpfiger Höllenfürst auf einem Thron und verschlingt Sünder; darunter scheidet ein Geizhals Münzen aus.
„Kopfüber im Kelch“, „Riesenbeeren aus Blut“: Im Mittelteil desselben Bildes stecken Menschen kopfüber in Gefäßen und Blüten, umgeben von übergroßen Beeren.
„Narrenschiff“: Boschs Gemälde im Louvre zeigt Geistliche und Laien, die auf einem steuerlosen Boot essen, trinken und singen, während niemand das Ruder hält.
Die vierte Strophe überträgt Boschs Bildwelt in die Gegenwart: Aus dem „bunten Tand“ wird das leuchtende Display.
Bild folgt: Der Garten der Lüste – der Höllenfürst (Detail)(assets/img/bosch/garten-hoellenfuerst.jpg)
Der vogelköpfige Fürst verschlingt Sünder auf seinem Thron.
Quelle: Wikimedia Commons, gemeinfrei
Bild folgt: Das Narrenschiff(assets/img/bosch/narrenschiff.jpg)
Ein steuerloses Boot voller Feiernder; niemand hält das Ruder.
Quelle: Wikimedia Commons, gemeinfrei
Geschichte und Gegenwart
Der Song verbindet Boschs Kritik an Völlerei und Geiz mit heutigen Themen: Konsum und Wegwerfgesellschaft, Ausbeutung von Ressourcen („Sie trinken das Meer“), Klimakrise („Die Erde brennt weiter“) und die Aufmerksamkeitsökonomie digitaler Medien. Gier wird dabei auch politisch: Wer nur noch dem Lärm lauscht und „das Gesetz verachtet“, geht der Demokratie verloren.
Das Video
Sie fressen Gold. Sie fressen Glas.
„Requiem der Stummen“ ist eine Totenmesse für eine Welt, die an ihrer eigenen Maßlosigkeit erstickt, während wir zusehen und schweigen.
Vier Bilder, vier Stufen des Verfalls: Zuerst der Konsum, der alles verschlingt. Morgens kommen die Pakete, die Tonne quillt über, und wir kaufen die Zukunft, nur um sie wegzuwerfen. Dann die Maßlosigkeit, die das Meer leer trinkt und höher hinaus will als die Götter. Danach der Wahn auf dem Narrenschiff, wo man zu Fratzen aus Holz betet und im eigenen Stolz ertrinkt. Und schließlich die Ablenkung: Bunter Tand, ein flirrendes Netz, ein leuchtendes Display. Wir starren ins Feuer und merken nichts mehr.
Nach jedem Bild kommt dieselbe Klage: Die Stimmen versinken im stummen Schlaf. Die Erde brennt weiter, ohne ein Wort. Wir sind stumm.
Im Album steht der Song für Avaritia, die Habgier und den moralischen Kollaps. Die Bilder stammen direkt aus der Welt des Hieronymus Bosch – aus dem „Narrenschiff“ und den riesigen Beeren im „Garten der Lüste“ –, nur sind sie heute aktueller denn je.
Fragen zum Weiterdenken
- Vergleicht die Bosch-Bilder mit den Strophen: Welche Bilder würdet ihr heute für die vier Stufen der Gier wählen?
- Was bedeutet „Wir kaufen die Zukunft und werfen sie rüber“?
- Warum heißt der Song „Requiem der Stummen“? Wer ist stumm, und warum?